Der Demokratische Sozialist


KZ Bruttig-Treis, genannt KZ Cochem
Arbeit bis zum Tod oder Vernichtung durch Arbeit
Von Bernd Kruse, Regionalverband Eifel-Mosel DIE LINKE

Das KZ Bruttig-Treis in der Nähe der Stadt Cochem war eines von vielen Außenlagern des elsässischen KZ Natzweiler-Struthof. Das Mutter-KZ Natzweiler-Struthof lag 55 km südwestlich von Straßburg in den Vogesen. Das Außenlager Bruttig-Treis bestand vom 10. März 1944 bis 14. September 1944, insgesamt nur etwas mehr als 6 Monate. Es wurde für zahllose Gefangene ein Ort des Grauens, der Erniedrigung, der Entmenschlichung und des Todes durch die Vernichtung des Individuums durch Arbeit.

Augenzeugenberichte sprechen von einer außerordentlichen Brutalität der Wachmannschaft, die von der faschistischen Luftwaffe gestellt wurde. Dies ist eine Besonderheit, da in den meisten anderen Lagern SS-Angehörige die Wachmannschaften bildeten.

Am 19. 10. 2010 hat sich eine Arbeitsgruppe der Partei DIE LINKE in Rheinland-Pfalz gegründet. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Landkreises Cochem-Zell wach zu halten und möglichst in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG eine Gedenktafel am Bahnhof Cochem zu fordern, die an das Märthyrium der Gefangenen erinnern soll.

Die AG will damit den Willen der Partei und ihrer Mitglieder zum Ausdruck bringen, sich offensiv mit der Geschichte und den Folgen der faschistischen Diktatur zu beschäftigen und die Erinnerung an die vielen Millionen Opfer dieses verbrecherischen Regimes aufrecht zu erhalten. Wir bitten sie uns bei unserer Forderung zu unterstützen.

Der Treiser-Tunnel, ein Teil der unvollendeten rechten Moselbahn und knapp 2600 m lang, wurde in den 1943 bis 1945 als Produktionsstätte der Firma Bosch von Zündkerzen für Flugzeugmotoren genutzt. Außerdem soll er zur Endmontage von V1- und V2-Raketen , deren Abschussrampen in Eifel und Hunsrück aufgebaut worden waren, genutzt worden sein. Diese Art von Einrichtungen der Rüstungsproduktion wurde „Verlagerungsbetriebe“ genannt. Das bekannteste Beispiel dafür ist das unterirdische KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen/Harz, Außenlager des KZ Buchenwald. Dort wurden u.a. in Serienproduktion V2 Raketen hergestellt. Dem sind insgesamt viele Tausend KZ-Häftlinge und vor allem auch sowjetische Kriegsgefangene zum Opfer gefallen

Der Tunnel Treis-Bruttig wurde großzügig ausgebaut, um der vor alliierten Luftangriffen geschützten Produktion mehr Raum zu bieten. Erst im Jahre 1946 wurden an vielen Stellen große Mengen Munition von den französischen Streitkräften zur Explosion gebracht. Danach wurden die beiden Tunnelportale zugemauert und verschlossen.

Die oft in offenen Güterwaggons ankommenden Gefangenen wurden im Reichsbahn-Bahnhof Cochem „ausgeladen“ und von den Wachmannschaften der Nazi-Luftwaffe durch Cochem und Cond gewaltsam über die Moselbrücke nach Bruttig auf dem rechten Moselufer getrieben. Einige damals „am Weg wohnende“ Kinder und Jugendliche haben in den ersten Jahren nach Kriegsende als Zeitzeugen über diese wahren Elendtrecks und dabei beobachte Verbrechen berichtet. Leider sind diese grauenhaften Berichte nahezu vollständig dem gebilligten „Vergessen“ anheim gefallen.


Die Unterkunftsbaracken entstanden auf einem aufgeschütteten Bahndamm für den Bau der rechten Moselbahn in Bruttig und vor dem Treiser Tunnelportal. In Bruttig und Treis waren bis zu 1500 Gefangene, die aus vielen Ländern Europas stammten, zusammen gepferscht, die täglich durch den Ort Bruttig zu ihrer „Arbeitsstelle“ getrieben wurden, da dieser zwischen dem Barackenlager und dem Tunnel lag.

Mit der Geschichtsbewältigung taten sich die Einwohner der Moselgemeinden schwer, denn erst im Jahre 1984 wurde auf Privatinitiative ein Mahnmal auf dem Friedhof in Bruttig aufgestellt. Das gleiche gilt für den Friedhof in Treis-Karden. Hier wurde ebenfalls ein Gedenkstein für die Opfer des KZ Bruttig-Treis aufgestellt. Ansonsten sind die Spuren in den Nachkriegsjahrzehnten restlos getilgt worden, zuletzt in Treis-Karden durch den Bau eines Baumarktes und der Sanierung des Berghanges, der die Tunnelausfahrt bildete.

"Mein Leben in den deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern ist eine dauernde Steigerung des Elends gewesen. Ich dachte, Natzweiler würde alles übertreffen, was man sich an Leiden und Entbehrung vorstellen kann. Aber ich hatte Treis - Bruttig noch nicht gesehen." Bert Aerts, belgischer KZ-Häftling Nach längerem peinlichem Gezerre im Bruttiger Gemeinderat wurde in den achtziger Jahren auf dem Friedhof der Gemeinde ein Gedenkstein errichtet.

Leider trägt er eine irreführende und sachlich falsche Aufschrift. Ein Gedenkstein auf dem Treiser Friedhof erinnert seit Mitte der neunziger Jahre an die Opfer der Lager. Dass auch dieser Stein eine falsche Inschrift trägt, haben aufmerksame Bürger kurz vor seiner Fertigstellung noch eben verhindern können. In der Fremdenverkehrsstadt Cochem sucht man bis heute vergeblich nach einem Zeichen der Erinnerung.

Siehe auch: "Ich habe immer nur den Zaun gesehen Suche nach dem KZ Außenlager Cochem"
Fölbach Verlag, Koblenz 1999 (4. Auflage)